Robert Metzkes: » Die Bildhauerei ist eine Form, die ganze Welt in Besitz zu nehmen «

Sie stehen, sitzen, liegen. Einzeln, zu zweit, in Dreiergruppen. Die Köpfe gerade, geneigt, von einer Hand gestützt. Die Arme ausgestreckt, verschränkt, an den Körper gepresst. Die Beine nebeneinander gestellt, fest auf dem Boden, übereinander geschlagen, gespreizt. Sie sind barfuß oder tragen flache Schuhe, Jeans, Dreiviertelhosen, T-Shirts, gestrickte Pullover, Strickkleider und Abendroben, die wie eine zweite Haut aussehen. Die Köpfe der Akte schmücken Turbane. Diese vorwiegend weiblichen Geschöpfe sind seltsam leblos, obwohl sie die Bewegung personifizieren. Sie vermitteln den Eindruck, als seien sie in ihren Gedanken so tief versunken, dass sie sich nicht mehr regen, dass sie von der äußeren Welt nichts mehr wissen wollen. Sie haben sich in Statuen verwandelt, weil sie nur in dieser Form so schön verweilen, so ewig weiblich und von der Zeit unberührt bleiben können, immer mitten im Frühling, in der Blüte ihres Lebens. Solche Figuren sind das Werk des Bildhauers Robert Metzkes, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Aus diesem Anlass zeigt das Georg-Kolbe-Museum seine Ausstellung »Menschenbilder«.

Von Urszula Usakowska-Wolff

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Monumente eines Märtyrers: »Evidence« von Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau

Ein Kreis aus Flusskrabben. Sie sind zum Teil schwarz, zum Teil rötlich und sehen echt aus, so echt wie aus Plastik gegossen. Sie sind aber aus Porzellan gebrannt und handbemalt. Sie liegen auf dem Holzparkett in einem Museum. Ein Kunstwerk also, entstanden und zur Schau gestellt, um auf etwas Wichtiges aufmerksam zu machen. Worauf? Auf die Ausrottung einer schmackhafter Spezies durch den ungehemmten Appetit der Menschheit? Auf den grenzenlosen Konsum? Oder sind es etwa Wollhandkrabben, jene aus China stammenden gefräßigen Neozoen, tierische Neubürger, die sich in unseren heimischen Gewässern ausbreiten und unsere Fische auszurotten drohen? Ein Symbol der unerfreulichen Folgen der Migration? Nein, diese chinesischen Flusskrabben, eines der Werke des Künstlers Ai Weiwei im Berliner Gropius-Bau, deuten an, dass es in China keine Meinungsfreiheit gibt.

Von Urszula Usakowska-Wolff

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