»Moby-Dick« von Michael Beutler: Ein Potpourri aus Papier, Bambus, Holz und Pecafil

Die Ausstellung »Moby-Dick« von Michael Beutler in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs wirkt wie eine gelungene Mischung aus Baumarkt, Baustelle, Manufaktur, Volksfest, Lager und Recyclinghof.

Von Urszula Usakowska-Wolff

Das Karussell dreht sich, doch es rührt sich in Wirklichkeit nicht vom Fleck. Was sich dreht, ist die Rotunde, in der sich das Karussell befindet. Eine Wahrnehmungstäuschung also, die aber erst nach einer längeren Zeit auffällt und den Spaß, auf dem Karussell auch dann zu fahren, wenn es steht, nicht mindert – oder vielleicht sogar noch steigert. Das Karussell ist jetzt in einem Museum aufgestellt, und man fühlt sich darin so, als säße man in einem stehenden Zug, während der auf dem Nachbargleis sich in Bewegung setzt. Doch das Karussell, das in einer runden Hülle ein bisschen wie unter einer milchigen Käseglocke in der Mitte der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs steckt, ist kein Zug. Nein, es stellt ein Schiff dar, das Literaturgeschichte geschrieben hat und nun vielleicht Kunstgeschichte schreiben wird. Es ist die spielerische und verblüffende Nachbildung des Schiffs »Pequod«, mit dem Kapitän Ahab in Herman Melvilles Roman »Moby-Dick« (1851) den weißen Pottwal jagte, diesmal aus der Hand des vielseitig begabten, gefragten, experimentierfreudigen und umweltbewussten Künstlers Michael Beutler, Jahrgang 1976.

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