Kategorie-Archiv: Interviews

John Bock: »Kunst muss wehtun, damit sich das Denken ändert«

Ein Gespräch mit John Bock beim Rundgang durch seine Ausstellung »Im Moloch der Wesenspräsenz« in der Berlinischen Galerie am 23. Februar 2017.

Von Urszula Usakowska-Wolff

  • John Bock im Moloch der Wesenspräsenz. Foto © Urszula Usakowska-Wolff, VG Bild+Kunst Bonn, 2017

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The Dark Rooms – Ausstellung in dunklen Räumen

»The Dark Rooms« ist eine kurzlebige Ausstellung, die langfristige Folgen haben soll. Sie wird am 3. September 2016 in der ehemaligen Willner-Brauerei eröffnet. Auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern werden dort elf Arbeiten von elf internationalen Künstlern gezeigt. Der Titel ist kein Zufall, denn die Ausstellungsräume werden wirklich ganz schön dunkel sein. Nichts oder ganz wenig wird von den spärlich beleuchteten Kunstwerken ablenken. »Wir müssen es schaffen, den Focus wieder auf die Kunst zu richten«, sagt Clara Cremer, die zum fünfköpfigen Team gehört, das seit einem halben Jahr »The Dark Rooms« vorbereitet. »Wir hoffen, dass nach dem Besuch der Ausstellung viele Leute ihre Kunstwahrnehmung ändern werden. Wenn das gelingt, haben wir schon viel erreicht.«

Clara Cremer, Foto © Urszula Usakowska-Wolff
Clara Cremer, Foto © Urszula Usakowska-Wolff

Interview: Urszula Usakowska-Wolff

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Sebastian Bieniek: »Ich bin eine Mischung aus Scharlatan, Schamane, Clown und Trickser«

Sebastian Bieniek ist einer, der die Kunst der Kommunikation wie kein anderer beherrscht, und das sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt. Seine Galerie ist der virtuelle Raum der sozialen Medien, ein riesiges Netzwerk. Seine Fangemeinde auf Facebook, Instagram und Tumblr zählt hunderttausende Leute und täglich kommen neue dazu. Der Maler, Performer, Filmemacher und Fotograf will sich programmatisch den Regeln des Kunstmarkts nicht unterwerfen und hat Erfolg damit. Am 24. April 1974 in einem Dorf bei Opole (Polen) geboren, zog er 1989 nach Niedersachsen, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und dann an der Universität der Künste Berlin, wo er 2002 bei Katharina Sieverding einen Abschluss als Meisterschüler machte. Danach absolvierte er ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Mit seinen Filmen und Performances wie etwa »Burqa« (2009) oder »Mein Freund H. Winkler von der Deutschen Bank« (2013) erregte er großes Aufsehen. Seine 2013 begonnene Fotoserie »Doublefaced«, die sich zuerst in den sozialen Medien ausbreitete, machte ihn international bekannt. Was Sebastian Bieniek beschäftigt, ist die multiple Persönlichkeit und die Bipolarität, also wie Virtualität die Realität und das Individuum beeinflusst und verändert. Sebastian Bieniek, der darüber auch das Buch »Realfake« geschrieben hat, ist in Wirklichkeit ein charmanter und eloquenter Mensch und ein konsequenter Künstler, wovon ich mich beim Besuch seines Ateliers in Friedrichshain überzeugen konnte.

Interview und Fotos von Urszula Usakowska-Wolff

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Käthe Kruse: »Ich langweile mich nie, denn mich beschäftigt immer die Welt«

Käthe Kruse, am 10. September 1958 geboren, ist eine faszinierende und charismatische Persönlichkeit, deren Leben genügend Stoff für einen Roman bietet. Sie war Hausbesetzerin und Mitglied der Künstlergruppe Die Tödliche Doris. Die Künstlerin und Musikerin schafft seit über 20 Jahren raumgreifende und multimediale Installationen, die wie Bühnenbilder wirken. Sie ist seit 1991 mit dem Schweizer Schriftsteller Yves Rosset verheiratet und hat zwei Töchter: Edda (24) und Klara (20), mit denen sie in Performances auftritt. Nan Goldin, mit der sie im besetzten Haus in Kreuzberg wohnte, verewigte Käthe und ihre Töchter auf zahlreichen Fotografien, die sich heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen und Museen befinden. Seit knapp zwei Jahren wohnt Käthe Kruse im Taut-Haus am Engeldamm, wo ich sie in ihrem Atelier besuchte.

Interview und Fotos von Urszula Usakowska-Wolff

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Andreas Prüstel: »Das wohlfeile Verhalten gegenüber der Gesellschaft ödet mich an«

Andreas Prüstel, am 10. September 1951 in Leipzig geboren, könnte der Held eines Schelmenromans sein. Weil er die Schule nicht mochte, wurde er zuerst Bauarbeiter, dann unter anderem Heizer, Gleisbauer, Bote, technischer und kartografischer Zeichner, Ausstellungsgestalter. 1978 zog er nach Ost-Berlin. Der freiberufliche Künstler mit einer großen Leidenschaft für die Collage arbeitet seit längerer Zeit als Cartoonist. Die Leserinnen und Leser des strassen|fegers kennen seine unverkennbaren Cartoons, denn sie sind in jeder Ausgabe unserer Zeitung zu sehen. Andreas Prüstel ist ein freier und kritischer Geist, der stets bewusst gegen den Strom zeichnet, auch wenn er sich deshalb »durchhungern« muss. Und er ist ein fesselnder Erzähler mit einem großen Charisma. Mein Besuch in seiner Wohnung in Berlin-Niederschönhausen sollte 30 Minuten dauern, endete aber erst nach über drei Stunden. 

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Klaus Staeck braucht Kunst, um zu leben

Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste Berlin, spricht mit dem strassen|feger über seine Ausstellung »Kunst für alle«, über sein gesellschaftspolitisches Engagement – und darüber, was er nach dem Ende seiner Präsidentschaft vermissen wird.

Interview & Fotos: Urszula Usakowska-Wolff

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Eric Pawlitzky möchte moderne Gedenksteine schaffen, die eine schöne Form haben

Landschaften wie aus dem Bilderbuch: malerische Sümpfe, Seen und Flüsse, über den Feldern, Wiesen und Wäldern schwebende Nebelschwaden, Hügel und Berge im Morgenrot oder Mondschein: eine Naturkulisse, die auf den ersten Blick friedlich und beruhigend wirkt. Doch der Augenschein trügt, wovon die neben den Bildern stehenden Texte zeugen. Die zweisprachige Ausstellung »Und alles ist weg – Miejsca, których nie ma«, die zuletzt vom 15. Januar bis zum 27. Februar 2015 in der Fotogalerie Friedrichshain gezeigt wurde, ist leise, unaufdringlich und ergreifend: ein einzigartiges Projekt des Künstlers Eric Pawlitzky, 55, der »Orte, die es nicht gibt«, Schauplätze des Ersten Kriegs in Polen, fotografierte.

Interview © Urszula Usakowska-Wolff

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»Ich war immer meine eigene Droge, Chérie«

Juwelia, am 14. Januar 1963 als Stefan Stricker im hessischen Korbach geboren, mag Pop und Trash und Travestie, singt, textet, tanzt, malt, ist »ein komischer Vogel«, und führt das alles jedes Wochenende in der Galerie Studio St. St. im Reuterkiez vor. 

Interview und Fotos © Urszula Usakowska-Wolff 

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Dietmar Rübel: »Sigmar Polke war so ein scharfer Beobachter wie kaum jemand«

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Dietmar Rübel von der Hochschule für Bildende Künste in Dresden über seinen Beitrag zur Ausstellung »Sigmar Polke. Eine Hommage. Bilanz einer Künstlerfreundschaft Polke/Staeck«.

Von Urszula Usakowska-Wolff

Herr Rübel, die zehn großformatigen Bilder unter dem Titel »Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen« von Sigmar Polke standen im Mittelpunkt der gleichnamigen, von Ihnen mitkuratierten Schau in der Hamburger Kunsthalle, die vom internationalen Kunstkritikerverband AICA zur Ausstellung des Jahres 2009 gekürt wurde. Jetzt sind sie zum ersten Mal in Berlin, in der Akademie der Künste am Pariser Platz, zu sehen. Wie kam es zu dieser Premiere?

An dem Gruppenprojekt für die Hamburger Kunsthalle, woran sich neben mir Dorothee Böhm, Petra Lange-Berndt und Michael Liebelt beteiligten, haben wir fast drei Jahre gearbeitet, weil Sigmar Polke sich sehr schwer damit getan hat, dass wir die 1970er Jahre, dieses vermeintlich verruchte Jahrzehnt in seinem Leben und Werk, wieder entdeckten. Ihm gefiel es nicht, dass wir ihn als politischen Künstler zeigen wollten. »Die Leute werden das nicht verstehen. Ich bin doch der Clown und der Spaßmacher«, sagte er. Das war eine der typischen Polke-Posen, wie etwa Faulpelz, Einsiedler oder Alchemist, die ihm dazu dienten, sich zu verstecken. Ich glaube, dass er durchaus politische Kunst gemacht hat – und das ist sehr zentral für seine Arbeit.

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