Rolando Villazón: »Popularität kann sehr hilfreich dabei sein, den Menschen etwas zu geben«

Rolando Villazon. Deutsche Oper Berlin, 8.03.15. Foto © Urszula Usakowska-Wolff

Das Exklusivinterview mit Rolando Villazón führte für den strassen|feger Urszula Usakowska-Wolff

Señor Villazón, seit Ende der 1990er Jahre sind Sie einer der gefragtesten und beliebtesten Tenöre weltweit. Sie singen, tanzen und schauspielern, darüber hinaus führen Sie selbst Regie, treten in abendfüllenden Filmen, Dokumentationen und in Talkshows auf, moderieren eigene Fernsehsendungen, fördern junge Talente, nehmen CDs auf. Sie sind stets auf Reisen und in Bewegung. Damit nicht genug, denn Sie betätigen sich auch als Zeichner, und Sie haben vor kurzem Ihren ersten Roman »Malabares« in Spanien veröffentlicht, der 2014 auf Deutsch erscheinen wird. Wann finden Sie für das alles Zeit? Haben Sie überhaupt noch Zeit zum Schlafen, geschweige denn für ein Privatleben?

Ich habe das große Glück, dass alles, was ich tue, mir wirklich viel Spaß macht. Dadurch, dass meine Aktivitäten so unterschiedlich sind, ist mein Leben auch sehr abwechslungsreich. Meine Freizeit, und das ist besonders die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, hat aber natürlich einen großen Stellenwert und bringt mir ebenso viel Freude und auch den nötigen Ausgleich. Ich denke, es gibt immer mehr Zeit, als wir denken, um die Dinge zu tun, die wir lieben. Wir müssen uns diese Zeit aber auch bewusst nehmen.

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Dietmar Rübel: »Sigmar Polke war so ein scharfer Beobachter wie kaum jemand«

Dietmar Rübel vor den Bildern aus der Serie "Wir Kleinbürger!" von Sigmar Polke. Adk Berlin, 2011. Foto © Urszula Usakowska-Wolff

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Dietmar Rübel von der Hochschule für Bildende Künste in Dresden über seinen Beitrag zur Ausstellung »Sigmar Polke. Eine Hommage. Bilanz einer Künstlerfreundschaft Polke/Staeck«.

Von Urszula Usakowska-Wolff

Herr Rübel, die zehn großformatigen Bilder unter dem Titel »Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen« von Sigmar Polke standen im Mittelpunkt der gleichnamigen, von Ihnen mitkuratierten Schau in der Hamburger Kunsthalle, die vom internationalen Kunstkritikerverband AICA zur Ausstellung des Jahres 2009 gekürt wurde. Jetzt sind sie zum ersten Mal in Berlin, in der Akademie der Künste am Pariser Platz, zu sehen. Wie kam es zu dieser Premiere?

An dem Gruppenprojekt für die Hamburger Kunsthalle, woran sich neben mir Dorothee Böhm, Petra Lange-Berndt und Michael Liebelt beteiligten, haben wir fast drei Jahre gearbeitet, weil Sigmar Polke sich sehr schwer damit getan hat, dass wir die 1970er Jahre, dieses vermeintlich verruchte Jahrzehnt in seinem Leben und Werk, wieder entdeckten. Ihm gefiel es nicht, dass wir ihn als politischen Künstler zeigen wollten. »Die Leute werden das nicht verstehen. Ich bin doch der Clown und der Spaßmacher«, sagte er. Das war eine der typischen Polke-Posen, wie etwa Faulpelz, Einsiedler oder Alchemist, die ihm dazu dienten, sich zu verstecken. Ich glaube, dass er durchaus politische Kunst gemacht hat – und das ist sehr zentral für seine Arbeit.

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Kirsten Klöckner: »Sigmar Polke neigte dazu, langweilige Regeln zu brechen«

Kirsten Klöckner vor der dreiteiligen Siebdruckedition »Rechts- oder Linksseher« (2001) von Sigmar Polke, Ausstellung »Sigmar Polke – Eine Hommage. Bilanz einer Künstlerfreundschaft Polke/Staeck«, AdK, 14.01.-13.03.2011, aufgenommen am 19. Dezember 2010. Foto © Urszula Usakowska-Wolff

Ein Gespräch mit Kirsten Klöckner über ihre Zusammenarbeit mit Sigmar Polke, den die Akademie der Künste mit einer großen Ausstellung ehrt.

Die in Berlin lebende Malerin und Objektkünstlerin Kirsten Klöckner wurde 1962 in Braunschweig geboren, von 1983-86 studierte sie Bildhauerei in der Klasse Ruthenbeck an der Kunstakademie Münster, 1990 eröffnete sie in Düsseldorf die Verlagsgalerie Edition Klöckner mit Grafiken und Multiples, unter anderem von Felix Droese, Panamarenko, Nam June Paik, Klaus Staeck und Sigmar Polke. 

Von Urszula Usakowska-Wolff

Frau Klöckner, Sie sind Künstlerin und treten jetzt neben Klaus Staeck als Mitkuratorin der Ausstellung »Sigmar Polke – Eine Hommage. Bilanz einer Künstlerfreundschaft Polke/Staeck« auf, die in der Akademie der Künste am Pariser Platz gezeigt wird. Wie ist es dazu gekommen?

Weil ich nicht nur Künstlerin sondern auch Verlegerin bin. Klaus Staeck und ich haben oft zusammen gearbeitet, ich als Künstlerin für seine Edition, oder eben auch als seine Verlegerin. Er fand es gut, jemanden dabei zu haben, der das gezeigte Material kennt. Diese Ausstellung dokumentiert viele Jahre der Zusammenarbeit zwischen Klaus Staeck und Sigmar Polke, ein Paar Punkte, an denen ich mitarbeiten konnte, und natürlich auch Polkes politisches Interesse, das zum Beispiel deutlich wird bei der Betrachtung der Editionen »Entartete Kunst« oder »Kölner Bettler«. Er war nicht unpolitisch, kein Spaßkünstler. Seine Kunst ist keine Dekoration.

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