Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz, der 1963 in Polen geboren wurde und seit 1998 in Berlin lebt, ist ein Ausnahme- und Transformationskünstler, eine schillernde Persönlichkeit, die das Publikum fesselt, staunen lässt und begeistert. In seinen Performances, die für internationales Aufsehen sorgen, tritt er oft als „normaler“ Anzugsträger auf, der sich in einigen wenigen Momenten dank Körperbemalung, Schere, Honig, Klebeband, Feder, Glitzer, ausgefallener Roben, Kopfschmuck und High Heels in eine Königin der Nacht verwandelt. Er ist Papagena und Papageno in einer Person, die Inkarnation der fließenden Identität außerhalb der Gender-, Zeit- und Raumgrenzen. Am Ende seiner dynamischen, selbst choreografierten und aufwändig inszenierten Shows lässt er alle Hüllen fallen, hüpft, tanzt, singt, wälzt und rollt sich auf dem Boden und entkommt dann ins Freie. Seine Bühne sind nicht nur Galerien und Museen, sondern auch öffentlich Orte, Straßen, Grünanlagen. Sein Leitmotiv ist die Suche nach dem Sinn der Existenz, seiner Schönheit, Flüchtigkeit und Beständigkeit. Das veranschaulicht der Performer, Choreograf, Body-Artist, Mime und Designer anhand von düsteren und heiteren Situationen, in denen sich Tragik und Komik, Ernst und Witz, Chaos und Ordnung, Form und Inhalt durchdringen. Letztendlich sind sie eine Hommage an die Liebe und ihre fortwährende schöpferische Kraft, die den Tod der geliebten Person überdauert.

Ein in Bildern denkender rastloser Reisender
Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz ist immer auf Tour: ein rastloser Reisender, der in Bewegung bleibt, um mithilfe von Kunst die große und die kleine Welt, das Ich und das Es zu ergründen. Dass er dabei in Bildern denkt, schlägt sich in seinen Performances nieder. Sie wirken wie Tableaux vivants, wie zum Leben erweckte Tafelmalerei, die in den Raum springt, eine unglaubliche Dynamik und Gestik entwickelt, aufrüttelt und in Atem hält, und die hier und da an die rastlosen Figuren von Francis Bacon erinnert. Nach und nach eröffneten Leon die Performances eine neue Perspektive mit Augenmerk auf die Malerei. Angeregt vom Klebeband, mit dem er sich umwickelte, begann der Verwandlungskünstler, raumgreifende und reliefartige Tableaux zu kreieren, die er „Taping“ nennt und die zur Tape-Art gehören. Sie sind das Ergebnis einer Evolution, die von seinem mit Klebeband umwickelten Körper ausging und auf seine Wandbilder (zum Beispiel auf den „Pixel Worrior“) überging. Am Anfang benutzte er einfache Isolationsbänder in Schwarz und Silber, dann merkte er, dass das Spektrum der Klebebänder schier unerschöpflich ist. Für ihn sind sie eine Art Palette und ein Medium, das unentbehrlich war, damit sich der Performer zum Maler entwickeln konnte. Malerei und Performance sind für Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz ohnehin zwei Seiten einer Medaille, denn beide kommen nur unter vollem Einsatz seines Körpers zustande.



Kosmische Pferde, Pixel-Krieger, springende Frauen, Schwärme
Angeregt von der Kunstgeschichte, vom Kosmos, Mythos und Logos schafft Leon ein genreübergreifendes visuelles Universum, in dem die Grenzen zwischen dem Profanen und Sakralen, dem Olymp und Hades, dem Alltäglichen und Erhabenen, dem Realen und Imaginären, dem Animalischen und Menschlichen, der Performance und Malerei fließend sind. Er zeigt, dass Stärke und Schwäche, dass Freude und Trauer die Menschen bei ihrer Suche nach dem verlorenen Paradies begleiten. In der von ihm kreierten Welt tauchen Papageien, kosmische Pferde, menschliche Figuren, Pixel-Krieger, Schwärme, Autobahnen und pulsierende Landschaften auf. Abstraktion und Figuration sind für ihn keine Gegensätze. Wenn Leon die Arbeit an einem neuen Werk beginnt, hat er noch keine genaue Vorstellung davon, wie das Endergebnis aussehen wird. Er lässt sich von der Haptik des Materials leiten und staunt häufig darüber, wohin es ihn führt. Seine Kompositionen sind glänzend und vibrierend, entschleiert und verschleiert, ausufernd und ausgewogen. Sie bestehen aus Fragmenten, die sich zu einem dramatischen wie harmonischen Ganzen zusammenfügen. Durch ihre Anordnung im Raum entstehen außergewöhnliche Blickachsen.

The Spirit of Tape: Vorhänge, Figuren, Reliefs
In allem, was er tut, ist Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz ein experimentierfreudiger und autarker Künstler. Er arbeitet allein in seiner Wohnung, die zugleich sein Studio ist, sucht das Material aus seinem großen Fundus aus, benutzt Objets trouvés und Magazinfotos, integriert sie in seine Collagen, die er, wie alle anderen Arbeiten auch, mit Epoxidharz überzieht, sodass sie wie Lackbilder aussehen. Kostüme und andere Requisite für seine Auftritte entwirft und fertigt er selbst: Mäntel, Umhänge, Kopfschmuck, Masken. Spitze Schuhe verwandelt er in abgerundete. Er ist ein Künstler der rastlosen Metamorphose, die sich auf rastlosen Wegen vollzieht. Besonders spektakulär sind seine großformatigen Behänge, die wie Bühnenvorhänge anmuten. Da sie transluzent sind, und wenn sie vor einer Fensterfront hängen, entfalten sie eine magische Wirkung. So auch „Dancing Fufu“, Leons Hommage an den legendären Designer Manfred Thierry Mugler, mit dem er von 2014 bis 2022 zusammenlebte und zusammenarbeitete, und der am 23. Januar 2022 in Paris starb. „Der tanzende Fufu“ und viele andere Werke von Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz zeigen die Liebe und ihr unerschöpfliches kreatives Potenzial, die den Tod der geliebten Person überdauert, denn auch er weiß aus eigener Erfahrung: „Omnia vincit amor“.

Sich durch Kunst und Leben rastlos bewegen
Im Œuvre von Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz spiegeln sich Gefühle, Instinkte und Emotionen. Die häufig verwendete Nacktheit ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck von Glück, Natürlichkeit und Spontaneität. Kunst ist für ihn gleichbedeutend mit dem Leben und kann überall entstehen. Grenzenlosigkeit und Kompromisslosigkeit gegenüber gesellschaftlichen Zwängen und Beschränkungen sind bezeichnend für Leons unverkennbare künstlerische Praxis. Als Künstler möchte er den Menschen dazu verhelfen, sich den geltenden Normen nicht zu beugen und ein selbstbewusstes, selbstbestimmtes, freies Leben zu führen. Leben und Kunst sind für Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz ein bunter Reigen, der uns zum Tanzen einlädt. Also: Dreht eure Runden auf rastlosen Wegen, sprengt die Ketten! Genießt eure Freiheit! Genießt jeden Ausgenblick des Lebens, solange es geht: am besten in Begleitung von Leons Kunst!
Text © Urszula Usakowska-Wolff
Fotos © Urszula Usakowska-Wolff, Danuta Szulc, Monika Pyzunia Presz, Dražen Muse, Neda Silberhan






Impressionen von der Vernissage der Ausstellung „Rastlose Wege“ von Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz am 27. März 2026 im Projektraum art.endart in Berlin-Wedding. Beim Anklicken der Bilder erscheinen sie in Originalgröße – und mit Infos über ihre Urheberinnen und Urheber versehen.
Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz
Rastlose Wege
The Spirit of Tape
Taping ǀ Collagen ǀ Objekte
Kuratorin ǀ Urszula Usakowska-Wolff
27.03.2026–03.05.2026
Lucyna Viale ǀ Projektraum art.endart